Amateurfunk, was ist das?

Funkamateure sind Leute, die sich für drahtlose Kommunikation interessieren. Sie nutzen dafür den Amateurfunkdienst und identifizieren sich über ein weltweit einmaliges Rufzeichen, meines ist z. B. DB1LI.

Der Amateurfunkdienst ist ein gesetzlich klar geregelter Funkdienst, ganz ähnlich dem Seefunkdienst oder dem Flugfunkdienst. Er hat mit dem bekannteren CB-Funk nicht viel zu tun; der CB-Funk ist allerdings ein guter Einstieg für angehende Funkamateure (auch ich habe als Kind mit einem CB-Handfunksprechgerät angefangen). Jeder Funkamateur muss amtliche Prüfungen in Technik, Betriebstechnik und Vorschriften ablegen, um für den Amateurfunkdienst zugelassen zu werden. Nach dem Bestehen der Prüfungen erhält man eine praktisch weltweit anerkannte Lizenz und ein amtliches Rufzeichen. Und dann steht dem frisch gebackenen Funkamateur - als Lohn für die Mühe - ein riesiges Betätigungsfeld offen. Ganz nach seinen persönlichen Interessen sucht sich der Neuling dann seinen Tätigkeitsbereich und spezialisiert sich dort.


Eine elektronische Speichermorsetaste der deutschen Firma Palm Radio in Miniaturform. Die Hebel vorne rechts können eingeschoben werden. Sie ist ideal für den Urlaub oder den Funkbetrieb von einem Berggipfel.


Welche Möglichkeiten bietet der Amateurfunkdienst?

Hmm, da gibt es viel zu berichten... Wo fange ich an?

Die Kommunikation per Funk findet in ganz unterschiedlichen Frequenzbereichen statt. Einfach ausgedrückt kann man sagen, dass die Bereiche von der Langwelle, Kurzwelle über Ultrakurzwelle (UKW) und den Gigaherzbereich (Mikrowellen) bis hin zum Bereich des sichtbaren Lichts reicht. Ja, einige Funkamateure "funken" mit Licht! In der Regel entscheiden sich die Funker für einen bestimmten Frequenzbereich, in dem sie aktiv werden wollen, denn für jeden Frequenzbereich benötigt man spezielle Antennen und der Platz auf dem Dach oder dem Grundstück ist oft begrenzt... Ich fing Anfang der 80er Jahre im UKW-Bereich an. Später wechselte ich dann in den Kurzwellenbereich. Die einzelnen Bereiche bieten ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Entfernungen zu überbrücken: Im Kurzwellenbereich ist je nach Tageszeit, Jahreszeit und Frequenz weltweiter Funkverkehr möglich. Im UKW-Bereich kommt man ohne Hilfsmittel nur so weit, wie man theoretisch sehen kann. Aber zum Glück gibt es diverse Tricks, die sich die Funkamateure zu Nutze machen. Auf vielen Fernsehtürmen oder anderen hohen Punkten stehen sogenannte Relais, die die Signale der Funker empfangen und von ihrem hohen Standort wieder aussenden. So können mit einem Handfunkgerät viele Kilometer überbrückt werden. Verlagert man ein solches Relais in den Weltraum, dann hat man einen Satelliten. Funkamateure bauen und betreiben schon seit Jahrzehnten eigene Satelliten! Die Funkwellen im UKW-Bereich haben die Eigenschaft, ähnlich wie Licht im Spiegel reflektiert zu werden. Richtet man seine Antenne also gegen hoch gelegene Reflektoren, so lassen sich sehr große Entfernungen überbrücken. Hier ein paar Beispiele für solche Reflektoren, die zur Reichweitenerhöhung genutzt werden: der Mond; reflektierende Bereiche im Zusammenhang mit Polarlicht oder Meteoriten; Regenwolken; Flugzeuge oder gelegentlich reflektierende Luftschichten hoch über der Erde.

Nun gibt es im Amateurfunkdienst ganz unterschiedliche Arten, per Funk miteinander zu kommunizieren. Der Sprechfunk ist Ihnen sicherlich bekannt (Busse und Taxen sprechen per Funk mit ihren Zentralen). Die Telegrafie, also die Kommunikation mit Morsezeichen, ist bei Funkamateuren nach wie vor weit verbreitet, im öffentlichen Bereich ist sie aber ausgestorben. Großer Beliebtheit erfreuen sich die sogenannten digitalen Kommunikationswege. Mit einem Computer kann man zum Beispiel per Funkfernschreiben (Telex) miteinander in Verbindung treten. Es gibt sehr viele moderne Datenübertragungsverfahren. Ein Beispiel ist das sogenannte Packet Radio mit dem die Funkamateure schon weltweit (per Funk!) E-mails versenden konnten, bevor man vom Internet überhaupt nur sprach. Einige Funker wollen ihr Gegenüber aber auch sehen und übertragen deshalb stehende oder auch bewegte Bilder per Funk. Sie wollten schon immer die Welt von oben sehen? Funkamateure schicken spezielle, mit Helium gefüllte Ballone bis in eine Höhe von ca. 30 km. Als Nutzlast hängen sie kleine Funkgeräte an den Ballon. Diese Geräte übertragen dann z. B. Bilder oder Daten wie Höhe, Position, Luftdruck oder Temperatur zur Erde. Einige Funker setzen sich mit ihrem Handfunkgerät in den Garten und sprechen mit Hobbykollegen z. B. in Australien oder den U.S.A.. Möglich wird das durch die Einbindung des Internets. Für die sportlich ambitionierten Funker gibt es natürlich auch jede Menge Wettbewerbe. Einfach ein paar kleine Sender in der Landschaft verstecken und einen Peilempfänger in die Hand genommen. Dann geht es im zügigen Laufschritt durch Feld und Wald und wer zuerst alle Sender gefunden hat, hat gewonnen! Das gab es schon lange vor Geocaching ;-)! Funkwettbewerbe sind aber auch aus dem heimischen Funkraum möglich: In möglichst kurzer Zeit möglichst viele andere Funker kontakten, das ist, auf einen kurzen Nenner gebracht, die Regel. Ob ein einzelner Funker, ein Team oder ein Verbund von Teams, alles ist möglich. Um den Anreiz etwas zu vergrößern, drehen einige Funker ihre Sendeleistung ganz nach unten, z. B. auf 1 oder 5 Watt. Oder benutzen (oft selbst gebaute) Funkgeräte, die nur aus einer Handvoll Bauteilen bestehen. Wer sich für die Kommunikation mit Mikrowellen oder Licht interessiert, der kommt nicht umhin, sich nach der bestandenen Amateurfunkprüfung ein sehr umfassendes und spezielles Wissen anzueignen. Da reicht das Verständnis des Ohmschen Gesetzes nicht mehr aus, um es mal salopp zu formulieren. In diesen Bereichen unseres Hobbys sind Spezialisten am Werk. Und hier muss noch ein weiteres Betätigungsfeld zur Sprache kommen: Viele Funker bauen sich ihre Geräte und Antennen selbst! Gerade im Bereich der Mikrowellen oder des Lichts können sie nicht einfach in einen Laden gehen und sich ein fertiges Funkgerät kaufen. Im Bereich der Kurzwelle oder auch der Ultrakurzwelle ist das kein Problem, das Angebot an Geräten und Antennen ist groß. Aber gerade in den Nischen unseres Hobbys kommt man ohne Selbstbau nicht weit. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal des Amateurfunkdienstes, dass die Inbetriebnahme von selbstgebauten Funkgeräten möglich ist! Da auch diese Geräte Anforderungen an die Sicherheit und die "Vermeidung unerwünschter Ausstrahlungen" erfüllen müssen, versteht es sich von selbst, dass der Funkamateur den Nachweis über entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten erbringen muss. Ohne bestandene Prüfung geht nichts!

Wie weit der Einzelne danach in die Materie eindringt, bleibt jedem selbst überlassen. Der Eine kauft sich ein Gerät und eine Antenne, nimmt das Mikrofon in die Hand und legt los. Der Andere betreibt sein Hobby mit wissenschaftlicher Akrebie und findet darin sein Vergnügen. Jeder so, wie er möchte!

Diese vielen verschiedenen Möglichkeiten nutzen die Funkamateure aber nicht nur an der heimischen Funkstation. Ein Handfunkgerät oder eine kleine Funkstation passt leicht in das Urlaubsgepäck. Die Funker bauen ihre Station aber auch im Auto, Flugzeug, auf dem Schiff, Motorrad oder dem Fahrrad auf. Sogar auf der Raumstation ISS sind fast immer Astro- oder Kosmonauten mit Amateurfunklizenz an Bord und machen mit der dort installierten Amateurfunkanlage Funkbetrieb (wegen Zeitmangels fast nur noch mit Amateurfunkstationen in Schulen). Sehr begehrt sind auch Kontakte mit Funkern der Polarstationen am Südpol. Vielen Funkamateuren macht es Spaß, mit Gleichgesinnten auf eine einsame Insel zu fahren und dort große Funkanlagen zu errichten. Sie erfreuen dann die Jäger und Sammler unter den Amateuren, denn viele Funker sammeln Funkverbindungen. Verbindungen mit Inseln, Bergen, Burgen, Naturschutzgebieten, Ländern, Kontinenten usw.. Als Beweis für eine getätigte Verbindung werden dann postkartenähnliche Bestätigungskarten ausgetauscht. Zum Nachweis der erbrachten Leistung können viele sogenannte Diplome beantragt werden. Das sind Urkunden und manchmal auch wertvolle Sachpreise oder Pokale. An einigen dieser Diplome arbeitet man viele Jahre oder auch sein ganzes Funkerleben lang!

Mit meiner eher bescheidenen Funkstation habe ich bisher Kontakte in über 140 Länder hergestellt (es gibt ca. 340 "Funkländer" auf der Welt). Die Sprache der meisten Länder verstehe ich natürlich nicht. Kein Problem! Es gibt hunderte von Abkürzungen, die von Funkamateuren auf der ganzen Welt verstanden werden. So kann man sich auch mit einem Japaner austauschen, der vielleicht genau so wenig Deutsch oder Englisch spricht wie ich Japanisch!

Puhhh, das war viel Text. Es ist doch nur ein grober Überlick, aber ich denke, Sie haben eine Ahnung davon bekommen, wie vielfältig dieses Hobby ist. Und wie viel Spaß es machen kann!


Auch im Urlaub - wie hier auf Zypern - kann der Funkamateur aktiv werden. Die Ausrüstung passt ins Handgepäck und kann an der Autobatterie des Mietwagens betrieben werden.