Was mich gerade beschäftigt



Die Sonne ist sehr träge und so ruht die Funkerei im Moment (die Wellenausbreitung ist u.a. abhängig vom 11-Jahreszyklus der Sonnenaktivität). Statt dessen beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit Low-Light und Astrofotografie. Das Fotografieren der Sonne mit (zu wenigen) Sonnenflecken im Weißlicht oder der Sonnenoberfläche in der sog. H-alpha-Wellenlänge sind zur Zeit Thema. Die Milchstraße, leuchtende Nachtwolken oder das Aufblitzen von Iridiumsatelliten sind auch schön zu fotografieren ! Sobald wieder mehr Sonnenflecken zu sehen sind geht die Funkerei wieder los !


Im Sommer kam mir die Idee eine Lochkamera zu basteln. Ein kleiner, lichtdichter Holzkasten, eine Blende von 0,4 mm (aus dem Blech einer Getränkedose) und ein kleines Stück Fotopapier. Fertig war die Kamera. Das Ergebnis ist eine sogenannte Solargrafie. Die Belichtung lief vom 18.07. bis 14.11. mit Blickrichtung West. Es war also eine extreme Langzeitbelichtung von 119 Tagen. Man sieht den Lauf der Sonne mit ihren Unterbrechungen durch Wolken (gegen Ende fehlen ganze Tage!). Der Sonnenuntergang verlagert sich von Nordwest über West nach Südwest und die Bahn wird immer flacher. Ich habe das Fotopapier nicht auf dem herkömmlichen Weg (chemisch) entwickelt. Durch die lange Lichteinwirkung entwickelt es sich durch einen internen chemischen Prozess praktisch selbst. Ich habe das Bild gescannt, gespiegelt und die Farbkanäle (RGB) invertiert. Das nächste Ziel ist der Sonnenlauf von Sonnenwende zu Sonnenwende.


Der Merkurtransit am 11.11.2019, aufgenommen in der Nähe vom Gut Futterkamp mit einer 18 MP APS-C-Spiegelreflexkamera und einer 400 mm Festbrennweite (entspricht 640 mm KB) mit vorgesetzter Sonnenfilterfolie. Die Sonnenscheibe ist bildfüllend vergrößert, der kleine schwarze Punkt ist der Merkur. Die Kamera habe ich von Hand nachgeführt. Leider wurde die Sicht auf die Sonne von Schleierbewölkung getrübt... Der Merkur ist der innerste Planet unseres Sonnensystems und hat einen Durchmesser von nur 4880 km. Er zog an diesem Tag ab 1335 Uhr MEZ seine Bahn vor der Sonnenscheibe. Das obere Foto entstand um 1404 Uhr, ISO 100, f5.6, 1/1600 Sekunde Belichtungszeit. Das untere Foto entstand um 1425 Uhr mit 1/1250 Sekunde. Wenig später wurden die Wolken so dicht und meine Finger so kalt (4 °C bei kräftigem Wind), dass ich die Beobachtung abgebrochen habe. Der nächste Merkurtransit ist dann im November 2032 !


Irgendwie auch eine Form von Low Light... : Vor meiner Kamera befand sich kein Objektiv sondern eine Lochblende. Somit entstand eine moderne Form der Lochkamera. Die einfachste Form der Lochkamera - die "camera obscura" - ist schon seit ca. 2500 Jahren bekannt ! Eine Eigenschaft der Lochkamera ist die unendliche (Un-)Schärfentiefe. Das Loch der Blende hat hier einen Durchmesser von 0,173 mm. Das entspricht f 87 (!) bei einer Brennweite von 15 mm. Die Belichtungszeit war 1/4 Sekunde bei ISO 200. Das Motiv ist das U-Boot-Ehrenmal in Möltenort.


Ein Foto vom 23.07.2019 0015 Uhr. Die 4 Punkte in der Bildmitte sind geostationäre Satelliten der ASTRA-Gruppe 19.2 Ost und versorgen viele Leute via Satellitenschüssel mit dem Fernsehprogramm. Die Sterne werden durch die lange Belichtungszeit (30 Sekunden) als Strichspuren sichtbar, da sich die Erde unter ihnen hindurchdreht. Die Satelliten "kleben" an einem Punkt des Himmels, damit sie immer den gleichen Bereich der Erde mit ihren Antennen "ausleuchten" (= geostationär). An den hellen Sternen (z.B. links unten und rechts oben) sieht man links ein ausreißen des Striches nach unten. Ich hatte vergessen den Selbstauslöser der Kamera auf 2 Sekunden zu aktivieren... das Auslösen führte somit zu Schwingungen der Kamera mit Objektiv. Daten: ISO 800, 30 Sekunden, f5.6, 640 mm Festbrennweite (400 mm an APS-C).

Dieses Foto entstand 13 Minuten später und zeigt, dass die mittleren Satelliten zu einem Punkt verschmolzen sind. Ursache: Die Lage der Satelliten muss oft durch kleine Bahnkorrekturen verändert werden. Hier hatte ich meinen Fehler bemerkt und den Selbstauslöser aktiviert; die Sternspuren sind nicht mehr verwackelt. Die Satelliten stehen in einer Höhe von 36000 km über der Erde und haben durch die Solarpaneele eine "Spannweite" von ca. 35 m. Daten: ISO 1600, 30 Sekunden, f5.6, 640 mm


Die Mondfinsternis am 16.07.2019 um 2210. Mein Standort war auf einem "Berg" in der Nähe der Turmhügelburg in Lütjenburg / Ostholstein. Von dort hatte ich freie Sicht über den Bungsberg zum aufgehenden Mond. Ich hatte Glück und konnte den Mond bis kurz vor seiner maximalen Bedeckung (ca. 9 Grad über Horizont) Wolkenfrei beobachten. Die Nähe zum Horizont führte jedoch zu unscharfen Bildern.  Zu meiner Überraschung wurde in meiner unmittelbaren Nähe gejagt. Ich schaltete meine Kopflampe ein, um nicht mit einem Hirsch oder Wildschwein verwechselt zu werden...

 


Mondfinsternis zur Hälfte der maximalen Bedeckung um 2245 Uhr.


Der (fast) maximal verfinsterte Mond um 2325 Uhr. Danach zogen Wolken auf.


Der verfinsterte Mond mit der Strichspur der Raumstation ISS und dem Saturn (16.07.2019, 2309 Uhr). Die Kamera war wieder die 12 Megapixel Superzoom mit auf KB umgerechnet 1200 mm Brennweite (bei diesem Foto natürlich entsprechend weniger, der Wert wurde in Exif nicht übertragen). Leider begrenzt sie mich in den manuellen Einstellungen sehr. Hier konnte ich z.B. nur max. 15 Sekunden belichten. Die Strichspur ist deshalb nicht sehr lang geworden. Hatte mich dafür entschieden nur eine Kamera mit zu nehmen...


Wie stellt man Wellen am besten dar ? Lange oder kurze Belichtungszeit ?

Hier längere Belichtungszeit (0,5 Sekunden) durch weniger Licht am (sehr) frühen Morgen...


Ein Belichtungsexperiment: Eine kleine, radioaktive Tritiumgaslichtquelle, deren Licht so schwach ist, dass ich es auch mit adaptiertem Auge nicht sehen kann. Es reizte mich heraus zu finden, ob sie noch Licht aussendet und wie lange meine Kamera bei ISO 100 belichten müsste, um das Licht sichtbar zu machen. Das Foto ist das Ergebnis von 2,5 Minuten Einzelbelichtung (in absolut dunkler Umgebung) mit einem 90 mm f2.8 Makroobjektiv. Es ist nur rauschreduziert und vergrößert, keine weitere Bearbeitung. Durch Langzeitbelichtung das Unsichtbare sichtbar machen ! Im Gegensatz zu unserem Auge, kann die Kamera Licht (einzelne Photonen !) über die Zeit der Belichtung sammeln und so kleinste "Lichtmengen" sichtbar machen.


Das (Museums-) Feuerschiff ELBE 1 in der blauen Stunde um 0233 Uhr am 22.06.2019.

Liegt am neuen Anleger im Hafen von Wyk auf Föhr. 6 Sekunden belichtet mit 20 mm bei f2.8 und ISO 100.

 


Noch "Blaue Stunde" am neuen Anleger im Hafen von Wyk auf Föhr.

Vom 16.02.2019, 0738 Uhr mit 20 mm Objektiv bei 2,5 Sekunden, f2.0 und ISO 100.


Vor dem Möltenorter Yachthafen am 19.06.2019 gegen 1930 Uhr. Eigentlich wollte ich Blitze fotografieren und hoffte auf ein trockenes Gewitter...  Aber Sekunden später rollte eine Böenwalze über mich hinweg, die alle Planung zunichte machte (;-) ! Ich schaffte es gerade noch zu staunen und (leider nur) drei Fotos zu machen. Um es mal zu probieren bastelte ich damit dann mein erstes Panorama zusammen. Die Segler bargen in Rekordzeit ihre Segel. Daten: 20mm, ISO 100, 1/100 Sekunde, f2.8


Leuchtende Nachtwolken (Erklärung weiter unten) vor dem U-Boot-Ehrenmal Möltenort in meinem Wohnort Heikendorf. Da reichte das  Weitwinkel nicht aus. Entstanden am 18.06.2019 um 02:59 Uhr. Die Sonne stand zu dem Zeitpunkt noch 9° unter dem Horizont. 20 mm @ f2.8; 0.8 Sekunden; ISO 100. In Zukunft will ich bei solchen Gelegenheiten ein Panorama erstellen.


Die Sonne mit den für die Funkerei so wichtigen Sonnenflecken im Weißlicht. Gewöhnliche Bridgekamera mit 50-fach optischem Zoom (entspricht 1200mm KB) und speziellem Sonnenfilter.


Die Sonne im Licht der Wasserstoff-Alpha-Spektrallinie (H-Alpha-Teleskop). 10 % aus 2000 s/w-Einzelbildern kombiniert und eingefärbt (leider war die Oberfläche zum Zeitpunkt der Aufnahme eher unspannend ...) Die nächste Aufgabe besteht in der Kombination von Aufnahmen des Sonnenrands (Protuberanzen) mit Aufnahmen der Sonnenoberfläche. Da die Belichtungszeiten von Rand und Oberfläche stark unterschiedlich sind, kann nicht Beides in einem Foto dargestellt werden.


Das Aufblitzen des Satelliten Iridium 70 (der Sat. dreht sich und seine Antennen reflektieren die unter dem Horizont stehende Sonne). Vorausberechnung, Positionierung der Kamera in Azimut und Elevation und sekundengenaues Auslösen mit 30 Sekunden Belichtung sind notwendig. Die Sterne werden bei dieser Belichtungszeit und 20mm Brennweite bereits leicht strichförmig. Diese Fotos werden zukünftig nicht mehr möglich sein, da man die Satelliten sterben lässt und durch Neue ersetzt. Die bieten uns diesen schönen Nebeneffekt leider nicht mehr...


Iridium 61 und Lichtverschmutzung von Laboe.


Leuchtende Nachtwolken (NLC) am heimischen Strand (die schwarzen Wolken sind "normale Wolken"). Entstehen von Mitte Mai bis Mitte August wenn die Sonne zwischen 6 und 16 Grad unter dem Horizont steht. Es sind von der Sonne angestrahlte Wolken aus Eiskristallen in einer Höhe von ca. 83 km.


Meine 2. NLC-Beobachtung. Das Foto ist an der Nordmole vom Fähranleger in Dagebüll entstanden.


Wie schön wäre die Milchstraße doch ohne die nervige Lichtverschmutzung ! In unseren Breiten wird der interessanteste Teil (am Horizont) durch das Fremdlicht unsichtbar. Bin extra in einen für unsere Verhältnisse dunklen Landstrich bei Passade gefahren... Die Striche sind Flugzeuge, die ihre Lichtspur in den 15 Sekunden Belichtungszeit hinterlassen haben.

Foto: 15 Sekunden belichtet mit 20 mm bei Offenblende f2.0, ISO 3200


Einzelaufnahme vom Mond, entstanden mit Bridgekamera aus einem Hotelzimmer in Hamburg. Zoom entsprach 1200 mm KB.


Beginnende Mondfinsternis 2018 vom Nordufer der Eckernförder Bucht. Gleiche Bridgekamera wie zuvor ... jedoch lag leider eine hohe Dunstschicht über dem Wasser. Somit sind die Bilder leider unscharf. Schade, hätte ja klappen können (;-) !


Etwas weiter fortgeschritten ... der Dunst blieb ...


Seitenansicht einer Kirche in Waldeck am Edersee. Auch hier meine Festbrennweite 20 mm f2.0, 1/5 Sekunde bei ISO 200.